Danke an alle die mitgemacht haben und insgesamt 85 Beiträge eingereicht haben! Es hat Spaß gemacht und wir freuen uns schon auf den nächsten Wettbewerb!
Die Europäische Akademie Inntal veranstaltete in Kooperation mit der Vertretung der Europäischen Kommission in München den Fotowettbewerb „Europa vor der Haustür“. Gesucht wurden Fotografien über das Inntal hinaus in Deutschland und Österreich, die Europa und europäische Politik in unserem Alltag sichtbar machen. Der Einreichungszeitraum war vom 1.Febr.– 24. April und die Preisverleihung fand am Europatag, dem 9. Mai, statt.
Der Wettbewerb regte dazu an, Europa nicht abstrakt, sondern konkret und lokal zu betrachten:
Wo begegnet uns Europa im täglichen Leben?
Welche Spuren europäischer Zusammenarbeit finden sich in der Umgebung oder auch beim Unterwegssein?
Wie zeigen sich europäische Werte, Vielfalt oder Politik auch ganz praktisch „vor der Haustür“?
Ob sichtbar oder subtil, kritisch oder überraschend, entscheidend war die persönliche Perspektive auf Europa im regionalen Kontext.
Bewertet werden Fotografien, die sich auf kreative, reflektierte oder überraschende Weise mit der Frage auseinandersetzen, wo Europa und Europapolitik im Alltag sichtbar oder erfahrbar werden. Die Jury berücksichtigt sowohl inhaltliche Aussagekraft als auch fotografische Gestaltung. Technische Perfektion ist dabei kein Ausschlusskriterium.
Unsere Gewinner:innen
1. Platz – Hannah Feichtinger
Zug, Tagebuch & Rucksack Europa beginnt für mich nicht an einem bestimmten Ort, sondern unterwegs. Dieses Foto zeigt mich in einem Zug bei meiner Interrail-Reise. Vor mir mein Tagebuch, rundherum unsere Rucksäcke und draußen die vorbeiziehende Landschaft. Während ich den Tagebucheintrag schreibe, verarbeite ich Eindrücke, Begegnungen und Gedanken, die ich auf meiner Reise sammeln konnte. Das Reisen durch Europa fühlt sich für mich selbstverständlich an – Grenzen treten in den Hintergrund, Verbindungen entstehen. Gerade diese Selbstverständlichkeit ist etwas Besonderes. Europa bedeutet für mich die Freiheit, mich zu bewegen, Neues zu entdecken und gleichzeitig Teil von etwas Größerem zu sein. Das Tagebuch steht dabei für Reflexion: Europa ist nicht nur ein geografischer Raum, sondern auch eine persönliche Erfahrung. Es entsteht in Momenten wie diesem. zwischen Ankommen und Weiterfahren.
Preis: Interrail Ticket
2. Platz – Oskar Leiber
Auf einem Spaziergang durch Paris entdeckten wir Arbër, Diplomat an der Botschaft der Republik Kosovo, auf einem Balkon und fragten spontan, ob wir ein Foto machen dürften. Was folgte, war ein kleiner Moment menschlicher Begegnung: eine Person aus dem Kosovo, zufällig getroffen in Frankreich, fotografiert von jemandem aus Deutschland. Die Flagge des Kosovo ähnelt auf dem Bild verblüffend der der Europäischen Union. Kein Zufall vielleicht: Kosovo ist offizieller EU-Beitrittskandidat, und der Wunsch nach Europa ist dort keine Abstraktion, sondern gelebte Realität. Arbër selbst brachte es auf den Punkt: „As a young diplomat working at the Embassy of Kosovo in Paris, the theme speaks strongly with me. I hope to see Kosovo one day join the European Union.“ Für mich zeigt dieses Bild, was europäische Integration jenseits von Politik und Institutionen bedeutet: eine offene Tür, ein geteilter Moment und die Leichtigkeit, mit der Menschen aus verschiedenen Ecken Europas einfach zusammenkommen können.
Preis: Fotogutschein
3. Platz – Philip Krauss
Bei der Weinernte in Saint Amour Auf dem Foto sieht man den eigentlich bereits pensionierten langjährigen Eigentümer der „Domaine des Pines“ in Saint Amour bei Lyon auf seinem 60er-Jahre-Traktor mit einem Anhänger voller Gastarbeiter/innen. Seit 2016 fahre ich regelmäßig im Herbst während meinem Urlaub zur Weinernte nach Südfrankreich. Hier treffen dann Personen aus verschiedenen Regionen in Frankreich, aber auch aus anderen europäischen Ländern und verschiedenster Altersklassen und beruflicher Herkunft als „Gastarbeiter“ zusammen. Die klassische Weinernte, bei welcher man mit Eimer und Gartenschere bewaffnet durch die Weinberge zieht, findet nur noch in wenigen Regionen in Frankreich statt, u. A. in der Region Beaujolais bei Lyon und in Bordeaux. Noch seltener sind die Weinbauern geworden, die ihren Gastarbeitern eine Unterkunft sowie Essen und Trinken zur Verfügung stellen. Es ist harte körperliche Arbeit bei prallender Sonne und man ist Abends sehr müde und schläft sofort ein. Die Weinernte beginnt teils schon um 6 Uhr früh, um den Arbeitstag noch vor der stärksten Nachmittagssonne zu beenden. Für die Weinbauern ist es gar nicht mehr so leicht, geeignete Gastarbeiter zu finden, weil viele diese Arbeit nicht mehr machen wollen. Allerdings kommen viele Leute aus anderen Berufszweigen, Student/innen aus Paris, Rentner/innen und Abenteurer/innen aus anderen Ländern. Die Gastgeber auf der „Domaine des Pines“ sind sehr großzügig und es gibt 3 bis 4 mal pro Tag ein gutes Essen und am Abend erklären sie einem den Herstellungsprozess des Weins und zeigen einem die Maschinen und großen Tanks und Fässer. Das hört sich romantisch an, ist aber auch körperliche Schwerstarbeit, der nicht Jede/r gewachsen ist. Nach der Weinernte kommt man dann mit mehr Geld aus dem „Urlaub“ zurück als vorher. Eine absolut authentische, klassische Frankreich-Erfahrung, die ich unbedingt weiterempfehlen kann!
Preis: Europa-Hoody
Preisverleihung & Austellungen
Die Preisverleihung fand am 09.Mai 2026, dem Europa-Tag, auf der Festung Kuftstein statt.
Weitere nennenswerte Beiträge
Lena Knödlseder
Das Foto eines Baumes mit mehreren Stämmen lässt sich sehr gut als Sinnbild für Europa im lokalen Alltag lesen – genau im Sinne des Wettbewerbsthemas „Europa vor der Haustür“. Der Baum wirkt zunächst wie ein stiller „Wächter“ des Parks direkt vor deiner Haustür. Er steht fest verankert an einem konkreten Ort in München und begleitet unaufdringlich das tägliche Leben der Menschen: Spaziergänge, Begegnungen, kurze Pausen. In dieser Rolle spiegelt er Europa als etwas wider, das nicht fern oder abstrakt ist, sondern im Alltag präsent – als Rahmen, der unser Leben stabilisiert, ohne sich ständig in den Vordergrund zu drängen. Besonders bedeutungsvoll sind die vielen Wurzeln des Baumes. Sie stehen sinnbildlich für die vielfältigen Ursprünge Europas: gemeinsame Geschichte (etwa Aufklärung und Humanismus), kulturelle Traditionen, unterschiedliche Sprachen, politische Entwicklungen, aber auch Konflikte und deren Überwindung. Dazu kommen Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Solidarität. Wie die Wurzeln im Boden sind diese Grundlagen oft unsichtbar, aber sie tragen und nähren das gesamte System. Sie greifen ineinander, überschneiden sich und machen den Baum – wie Europa – widerstandsfähig. Die mehreren Stämme, die aus diesem gemeinsamen Wurzelsystem wachsen, lassen sich als die einzelnen europäischen Länder oder Gesellschaften lesen. Jeder Stamm hat seine eigene Form, Richtung und Struktur, und doch existieren sie nebeneinander. Es gibt Unterschiede, vielleicht auch Spannungen, aber sie teilen sich dieselbe Basis. Entscheidend ist, dass sie nicht isoliert bleiben: In der gemeinsamen Krone verbinden sie sich wieder. Dort entstehen neue Triebe und Blüten – ein starkes Bild für Zusammenarbeit, Austausch und eine gemeinsame Zukunft. Die Krone zeigt, dass Vielfalt nicht zur Trennung führen muss, sondern im Gegenteil etwas Gemeinsames hervorbringen kann. Der Weg neben dem Baum fügt eine weitere Ebene hinzu. Er kann als Symbol für den Fluss der Zeit verstanden werden, aber auch für Bewegung, Entwicklung und den europäischen Integrationsprozess. Menschen gehen diesen Weg täglich entlang, bewusst oder unbewusst – so wie wir uns auch im Alltag innerhalb europäischer Strukturen bewegen. Der Weg ist konstant, aber nie statisch: Er wird genutzt, verändert, verbindet Orte und Menschen miteinander. Dass sich diese Szene in einem Park mitten in München abspielt, ist ebenfalls zentral für die Interpretation. Der Park steht für europäische Stadtplanung, die Lebensqualität, öffentliche Räume und den Zugang zu Natur betont. Grünflächen in urbanen Zentren sind Ausdruck politischer Entscheidungen und gemeinsamer Werte: Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und die Idee einer „grünen“ Zukunft. Hier zeigt sich Europa ganz konkret – nicht als Institution, sondern als gelebte Praxis im Alltag der Menschen. Insgesamt verbindet das Bild Natur, Alltag und Symbolik zu einer vielschichtigen Darstellung Europas: ein Geflecht aus gemeinsamen Wurzeln, vielfältigen Einzelteilen und einer geteilten Zukunft, eingebettet in den unmittelbaren Lebensraum. Genau darin liegt die Stärke der Fotografie – sie macht sichtbar, dass Europa nicht irgendwo „da draußen“ existiert, sondern direkt vor unserer Haustür.
Laura Michel (Anm. zweites Bild nicht abgebildet) Die Bilder sollen den Zusammenhang und Kontrast zwischen der gewaltvollen, von Machtstreben geprägten Geschichte europäischer Länder und ihrer heutigen Überlagerung durch die Versprechen von Tourismus und Kapital darstellen. An verschiedenen europäischen Arten aufgenommen, sollen sie zeigen, dass die Vergangenheit zwischen Werbeschildern, Reiserouten und ökonomischen Versprechen auch im Alltag nicht verschwunden ist und dass das Bewusstsein für sie eine Voraussetzung für eine internationale, friedliche Zukunft bildet.
Jürgen Uitz Der Böhmische Traum Das internationale Blasmusikfestival „Der böhmische Traum“ dient zur Förderung des Austausches und der Vernetzung von BlasmusikerInnen aus mittlerweile ganz Mitteleuropa. Mit unserem Festival wird jedes Jahr der Beweis angetreten, dass Blasmusik ein Zusammengehörigkeitsgefühl erzeugt, keine Grenzen und Generationskonflikte kennt und nur mit Respekt vor der Tradition und den Menschen, die dahinter stehen, verwirklicht werden kann.
Isabell Groll München Hohenzollernplatz Ich komme auf meinen morgendlichen Spaziergängen jeden Tag an diesen öffentlichen Blumenbeeten vorbei. Dort wuchs seit zwei Wochen zwischen vielen anderen eine ganz außergewöhnliche Tulpe! Sie war zweifarbig, genau wie auf meiner Zeichnung. Die eine Seite lila, die andere weiß. Vermutlich war es eine Mutation, ein kleiner winker der Natur und natürlich die einzige im Beet mit dieser Besonderheit. Ich war ganz begeistert als ich sie entdeckt hatte und ging sie jeden Tag „besuchen“. Umso größer natürlich das Entsetzen, als sie heute Morgen einfach weg war. Jemand anderem hatte sie wohl auch gefallen. Ich finde, Demokratie beginnt bei den ganz kleinen, alltäglichen Dingen. Bei der Überzeugung etwa, das geteilte Freude doppelte Freude bringt. Und deswegen wollte ich die Leerstelle von heute Morgen auch nicht einfach „so stehen lassen“. Also steht da jetzt was anderes im Beet.
Brigitte Höck Gehen wir Gletscher schaun – wie lange noch? Gletschersterben geht uns alle an! Natur- und Umweltschutz wird zu Gunsten der Wirtschaft immer mehr in den Hintergrund gerückt. Wir alle sind gefordert. Wir alle tragen Verantwortung für die nächsten Generationen.
Endrit Jashari Dieses Bild zeigt den „Kurrizi“ (alb. Wirbelsäule) im Zentrum von Prishtina, Kosovo. Ein Ort, der im Alltag vieler Menschen präsent ist, dessen Geschichte aber oft unsichtbar bleibt. In den 1990er Jahren, als viele Albaner im Kosovo vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren, entstanden parallele Strukturen: Unterricht fand in improvisierten Räumen statt, Begegnung verlagerte sich in informelle Orte. Auch rundum den „Kurrizi“ trafen sich Menschen, organisierten sich und hielten ihren Alltag aufrecht. Für mich hat dieser Ort eine besondere Bedeutung, obwohl ich nicht selbst dort aufgewachsen bin. Meine Eltern kommen aus dem Kosovo, ich verbrachte einen Teil meiner Kindheit dort, dennoch bin ich in Deutschland in einem demokratischen System groß geworden. Dinge wie Bildung, Versammlungsfreiheit und öffentlicher Austausch waren für mich immer selbstverständlich. Für viele Menschen dort waren sie es lange nicht. Der „Kurrizi“ steht deshalb für mehr als nur einen Treffpunkt. Er steht für eine Zeit, in der Menschen ich Räume schaffen mussten, um Gemeinschaft, Bildung und Austausch überhaupt leben zu können. Und er steht für den Weg dorthin, wo all das heute möglich ist. Oft wird Kosovo nicht selbstverständlich als Teil Europas gesehen. Für mich zeigt sich Europa vor der Haustür genau in solchen Geschichten: im Einsatz für Teilhabe, im Wert von Bildung und in dem Kampf um die Grundlagen eines demokratischen Zusammenlebens.
Elias Rosanelli, 26, aus Tirol (A); Berge bedeuten für mich, genauso wie Europa, Freiheit.
Moritz Sommer Aufgenommen bei einer EU-Rally in Belgrad im April 2026. Die EU- und serbische Flaggen stehen für die Perspektive, dass die Zukunft Serbiens in der Europäischen Union liegt. Aktuell befindet sich Serbien noch „vor der Haustür“ der EU, geografisch nah, politisch jedoch noch auf dem Weg dorthin und teilweise in die andere Richtung. Der Kontrast der Gebäude im Hintergrund wirkt dabei symbolisch für unterschiedliche Wege und Entwicklungen in Serbien: links Korruption und Verfall, rechts Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit.
Ulrike Sturm Europa als Karikatur Dieses Bild zeigt eines der Ellwanger Pferde, die von verschiedenen Künstlern gestaltet wurden. In diesem Fall ist es mit Arbeiten des Karikaturisten Horst Haitzinger beklebt. Seine Themen waren in den Zeitungen abgedruckt. Europa war immer ein großes Thema.
Rasmus Willms Guten Abend, ich würde gerne noch in letzter Minute meine Fotografie einreichen. Ich habe gestern diese Flagge auf dem Nachhauseweg gesehen und musste dabei direkt an euren Fotowettbewerb denken 🙂
Mila von Issendorff „Europa vor der Haustür“ bedeutet für mich, als junger Mensch die Möglichkeit haben, zu Reisen und Gleichgesinnten aus den verschiedensten Ländern zu begegnen. Auch, um den Umkreis der eigenen Haustür auch mal zu verlassen.
Du möchtest bei unserem nächsten Fotowettbewerb mitmachen oder hast Lust, diesen sogar selbst zu organisieren? Dann melde dich bei uns!
office@europaeische-akademie-inntal.org
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